Gesammelte Erfahrungen
Durch den Bau des Karts sammelte
ich natürlich in erster Linie viel praktische Erfahrung. Schweißen,
Schneiden, Bohren und Schrauben waren sehr häufig ausgeführte Arbeiten.
Hierbei musste oft sehr exakt gearbeitet werden, teilweise auf einige zehntel
Millimeter genau.
Klar, dass hier nicht immer alles auf Anhieb geklappt hat. Teilweise musste
die Arbeit von Stunden wieder verworfen und neu begonnen werden.
Ich musste mich oft genug einer Geduldsprobe stellen, denn insgeheim dachte
ich mir des Öfteren "ich will jetzt endlich damit fahren". Gelegentlich
waren damit Konstruktionen verbunden, die mangels Geduld halbherzig zusammengebastelt
wurden, nur um an diesem Tag noch mal fahren zu können.
Die Erfahrung zeigte meist, dass es in so einem Falle mehr Wert gewesen wäre
noch einen Tag länger zu bauen, als stattdessen zwei Tage mit der Reparatur
zu verbringen. Aber Fehler sind ja dazu da um aus ihnen zu lernen.
Neben den praktischen Erfahrungen, eignete ich mir natürlich auch sehr
viel theoretisches Wissen rund um das Kart und den Motor an. Dies ist auch notwendig
um Fehler und Probleme zu erkennen und zu beheben.
Natürlich habe ich das Kart nicht
als Zierde für die Werkstatt gebaut, sondern vor allem um damit zu Fahren.
Ich kann nur sagen, dass die Fahrt in einem solchen Gefährt ein wirklich
unglaubliches Erlebnis ist. Die Gedanken und Eindrücke, die ich bei der
ersten richtigen Fahrt auf einem geteerten Feldweg hatte, versuche ich hier
- so gut wie möglich - zu beschreiben:
Man tritt den Motor an und lässt ihn
ein Weilchen vor sich hin blubbern während man sich den Helm aufzieht.
Dann setzt man sich in das sehr enge Cockpit und gibt ein paar Mal Gas um den
Motor auf Temperatur zu bringen. Nun wird die Kupplung gezogen und der erste
Gang eingelegt, wobei ein leichter Ruck durch das Kart fährt. Wenn die
Bahn frei ist dreht man den Motor hoch und lässt die Kupplung langsam kommen.
Dann steigt man auf das Gas. Man spürt wie der Körper auf ein Mal
heftigst in den Sitz gepresst wird und das Heck versucht sich selbstständig
zu machen. Huch? Man hat Heckantrieb, breite Slicks und fährt auf einem
Asphaltweg - und trotzdem ist der Schub so brutal, dass die Reifen durchdrehen?
Schnell in den zweiten Gang schalten, damit die Leistung nachlässt
tut sie aber nicht
Man hält sich krampfhaft am Lenkrad fest, weil
man den Eindruck hat, jede Sekunde nach hinten herausgeschleudert zu werden.
Die Vorderräder haben kaum Kontakt zur Fahrbahn, das ganze Gewicht scheint
auf der Hinterachse zu lasten. Das alles passiert während sich der Drehzahlmesser
im Blickfeld in Sekundenschnelle auf die 10.000 U/min hinarbeitet. Jetzt ist
aber höchste Zeit zum Schalten
3.Gang, immer noch brutale Leistung
jetzt kann man aber kurz Luft holen, bis der Drehzahlmesser wieder den roten
Bereich erreicht. Das dauert wieder nur einige Sekunden
4.Gang. Jetzt
nimmt man langsam wieder bewusst die Umgebungsgeräusche wahr. Rechts neben
sich hört man das unermüdliche Hämmern der zwei Zylinder, etwas
gedämpft durch das Futter des Schutzhelms. Zwischendurch macht es immer
mal wieder "krach" und man spürt einen leichten Stoß am
Hintern. Das Bodenblech unter dem Sitz hat aufgesetzt. Um die fliegenden Funken
zu beobachten hat man leider keine Gelegenheit, man muss sich nun voll darauf
konzentrieren, das Lenkrad bei den vorbeiflitzenden Bodenwellen fest im Griff
zu haben. Zwei Gänge hat man noch in Reserve
diese auszufahren wird
jedoch zur Gewissensfrage
allerhöchstens noch in den fünften
schalten - zum Sprit sparen. Weiter auf die Tube zu drücken wäre reiner
Selbstmord
jedenfalls auf diesem Meer von Bodenwellen.
Jetzt kann man das Ende des Weges sehen. Mit leichtem Druck auf der Bremse,
ordentlich Zwischengas und gelegentlichen Fehlzündungen im Auspuff wird
nun wieder ein Gang nach dem anderen heruntergeschaltet. Schließlich zieht
man die Kupplung, rollt mit getretener Bremse noch ein kleines Stück, schaltet
den Motor aus und atmet erst mal kräftig durch. Noch Minuten nach dem "Höllenritt"
spürt man seine Hände zittern...
Um das nachvollziehen zu können, muss
man wohl wirklich eine Runde damit gedreht haben.
Das Kart hat ein Leistungsgewicht von etwa 0,35 PS/Kg (leer) und mit Fahrer
immerhin noch 0,2 PS/Kg. Im Vergleich dazu hat ein VW Polo ein Leistungsgewicht
von etwa 0,05 PS/Kg, ein Formel 1 Wagen etwa 1 PS/Kg. Vielleicht macht diese
Statistik die Verhältnisse etwas anschaulicher.
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei der momentanen Übersetzung bei
etwa 140 Km/h (9500 U/min). Mit kleineren Achsritzeln sind auch Geschwindigkeiten
bis 170 Km/h realistisch fahrbar. Dies bedarf jedoch einer ebenen Strecke mit
einer ausreichend langen Geraden.
![]() |
Letzte Änderung: 21.01.2004