Das alte Chassis war also für den Motor nicht mehr geeignet, das neue aus Heilbronn (da bin ich dann auch gleich noch mal bei Achim reingeschneit) stand mittlerweile bei mir in der Werkstatt: Schalterchassis Jarno Trulli, Bj. 1999, 40er Hinterachse, Vorderbremse, Anbauteile alle vorhanden und in gutem bis sehr gutem Zustand, Rahmen vollkommen unbeschädigt und außerdem waren noch eine Menge nützliche Teile wie Kugelkopfgelenke, eine eloxierte Aluschaltstange mit links- und Rechtsgewinde, ein Kühler, Schlauchschellen, Schläuche u.v.m. dabei, die wunderbar recycelt werden konnten, denn neu kostet das Zeug auch ne menge Geld. Nur die Bremsbeläge waren etwas ausgehärtet, wie sich bei der ersten Fahrt rausstellen sollte. Aber für 600 EUR kann man wirklich nichts sagen. Ein echtes Schnäppchen.
Also hab ich erstmal überlegt wie ich anfange… Der Motorhalter vom P-01 hatte mich schon so viel Arbeit gekostet und war auch erfolgreich erprobt, also sollte der weiterverwendet werden. Das Befestigungssystem sollte aber mangels Motorbock (der von P-01 passte nicht auf das neue Chassis) neu erdacht werden müssen.
Ein bisschen überlegt, ein bisschen bei Achim abgeschaut, rausgekommen ist dann eine Befestigung des Motorhalters gegen eine Langlochplatte.

Die Flacheisen quer zur Fahrtrichtung sind übrigens nachträglich aufgeschweißt worden weil´s Probleme mit der Waagerechtlage des Motors gab und die Kette etwas geknackt hat. Die sind nun 99,9% Waagerecht und das Knacken kam dann zum Teil doch davon, dass Kette und Kettenrad noch nicht eingelaufen waren :-P


Weil der Motorhalter ursprünglich mit nur 4 Schrauben am Motorbock befestigt war, es aber bei der Langlochsystematik ein wenig mehr sein sollten, hat der Motorhalter anschließend noch ein paar 8mm Löcher verpasst bekommen. Erst 9…

…dann 16.

Das hab ich nicht etwa gemacht um mein neues Bohrerset zu testen oder weil ich zu viel Zeit hatte, sondern die Überlegung war folgende: Gegen verdrehen und verrutschen wird der Motorhalter nur minimal abgestützt, nämlich einmal über eine M10 Spannschraube von hinten und über eine M10 links seitlich. Die sind aber eigentlich nur eine Spannhilfe für die Kette bzw. eine Ausrichtungshilfe für die Rechtwinkligkeit des Motors zur Hinterachse und können den Auftretenden Belastungen nicht standhalten. Deshalb sollte der Motorhalter über die Flächenpressung in Position gehalten werden. Dafür sind die 8 Löcher in der Mitte und 4 am linken Rand.
Weil der Motorhalter mit durchgesteckten Schrauben und leicht aufgeschraubten Muttern noch immer etwas Verdrehspiel in den Langlöchern hatte sollten auch noch zwei gegenüberliegende Schrauben durch "normale" Löcher, damit der Motor sich wirklich nicht mehr verdrehen kann. Diese Löcher sieht man links und rechts, es sind jeweils zwei dicht beieinander, das ist für den Übersetzungswechsel vorgesehen.
Wer jetzt aufmerksam mitgezählt hat wird merken, dass keine 16 sondern insgesamt 22 Löcher meinen Motorhalter zieren. Die übrigen 6 sind vielleicht Fehlbohrungen oder noch vom alten Motorbock, sie machen mein Kart aber unschlagbar leicht und ermöglichen nie erreichte Kurvengeschwindigkeiten ;).
Insgesamt halten also 14 M8 Schrauben meinen Motor. Zu viel? Nee nee, sicher ist sicher.

Etwas später gesellte sich dann noch diese hübsche Strebe von Motorhalter zur Lageraufnahme dabei:


Beim zusammendrücken der Kette konnte man vorher beobachten wie sich Motorritzel und Achsritzel genähert haben, nu bewegt sich nüscht mehr.

Schon bei der ersten Anprobe hab ich gemerkt, dass ich den Sitz (ist glaube ich XXL und vollgepolstert) so nicht mehr in die Karre kriege, weil der Motor viel zu breit ist. Aber so wie Robert sein Tankproblem habe auch ich mein Sitzproblem erst mal aufgeschoben. Zur Not wäre ich im Stehen gefahren :-P

Erst mal kam die Elektrik an die Reihe und der Motor wurde draufgesetzt (das übrigens bestimmt 5 mal, weil die sch*** Kette einfach nicht rund laufen wollte. Zum glück ist ein Flaschenzug in meinem Equipment, der hat die Sache etwas erleichtert).

Auf den letzten beiden Fotos kann man übrigens ganz gut meine "Elektrikschiene" sehen. Die wird am Motorhalter angeschraubt und ragt hin zur Kartmitte bis unter den vorderen Teil vom Sitz. Darauf sitzen Benzinpumpe, CDI und Gleichrichter. Außerdem dient sie noch als Widerlager für den Gaszug.
CDI und Gleichrichter sind übrigens noch mit meinen selbstgebauten Vibrationsdämpfern ausgestattet: Man nehme ein kleines Stückchen Gummischlauch das in etwa über die Befestigungsschraube passt, schiebe es über diese und setze dann das Bauteil darauf, sodass der Schlauch zwischen Bauteil und Anschraubfläche sitzt. Beim Festziehen aufpassen, dass der Schlauch nicht total fest zusammengequetscht wird.

Der nächste Punkt war die Schaltung. Das System vom P-01 war schon sehr robust und zuverlässig und wurde auch so übernommen.
Das Umlenkhebellager wurde kurzerhand aus P-01 mit der Flex rausoperiert und in P-03 mit dem Schweißgerät eingepflanzt. P-03 hat das Fremdgewebe nicht abgestoßen, Organtransplantation funktioniert also auch bei Karts :-). Hier das Ergebnis mit bereits angeschraubtem Umlenkhebel, Schubstangen und der Batterie, die dort vorne mit zwei Lochbändern festgeklemmt wurde:
(Das Gras auf der Bodenplatte stammt übrigens noch original von meinem ersten Ausflug in den Reifenstapel auf der Kartbahn Oppenrod, aber dazu später mehr)

Die Schubstange zum Motor konnte unverändert von P-01 übernommen werden, die Länge passte genau. Die Schubstange zur Schaltwippe musste allerdings wegen dem Tank noch etwas zurechtgebogen werden.
Etwas später hab ich die 12mm Rundeisenschubstange dann aber gegen die anfangs angesprochene Kart-Schaltstange ersetzt. Grund: Erstens ist die aus blau eloxiertem Alu und sieht schnieke aus, zweitens hat sie Gelenkköpfe mit Links- und Rechtsgewinde was die Justage vereinfacht und drittens muss ja irgendwas damit gemacht werden. Wär ja sonst schade drum.
Die alte Schaltwippe sollte auch wieder recycelt werden. Allerdings musste sie sich vorher noch einer Schönheits- OP bei Dr. Flex unterziehen: Die alte Schaltwippe hatte die Form eines auf dem Kopf stehenden U (dummerweise existieren keine Fotos), die Schubstange war dort einfach an einer Seite angebracht. Bei der neuen ging das nicht mehr. Wäre sie "vorne" an der Lenkradaufnahme, dann wäre die Kupplung im Weg gewesen, wäre sie "hinten", dann hätte man nicht mehr voll einlenken können weil die Schubstange ansonsten gegen das Frontschildhalteeisen gestoßen wäre. Also hab ich die Wippe einfach wie ein eckiges M geformt, sodass die Kupplung frei ist und man auch voll einlenken kann. Fotos machen das ganze verständlicher:
Auf den Bildern sieht man also die Schaltwippe in Front- und Seitenansicht. Beim Testen hatte sich aber herausgestellt, dass die Schaltwippe viel zu viel Spiel hat. Das war hauptsächlich dadurch bedingt, dass der Lagerpunkt der Schaltwippe und der Gelenkkopf der Schubstange nicht auf derselben Ebene liegen. Daraus resultierte, dass die Schaltwippe, statt eine Drehbewegung um ihren Lagerpunkt auszuführen, eine Drehbewegung um ihre Diagonalachse machte (übertrieben vorgestellt).
Wenn ich übrigens von Lager rede, dann meine ich mein selbstgebautes Gleitlager: Ein Röhrchen, Di=8mm Da=10mm, wird auf die an der Lenkradaufnahme angeschweißte M8 Schraube geschoben. Darauf kommt die Schaltwippe, die eine 10mm Bohrung in einer Nabe hat, die etwas kürzer als das Röhrchen ist. Das Röhrchen wird dann eingespannt, in dem auf die Schraube eine Mutter mit Sicherungssplint geschraubt wird. Die gleiche Lagerungstechnik wird auch am Umlenkhebel verwendet.
Da die Wippe wie schon gesagt zu viel Spiel hatte, habe ich zunächst einmal die Nabe verlängert. Genauer gesagt hat sie nun mit etwa 6cm die etwa dreifache Länge wie vorher:

Ob sich die Konstruktion als alltagstauglich erweist wird sich erst noch zeigen. Bei den ersten Tests war das Spiel schon eine Ecke weniger, das ganze Schaltsystem hat aber immer noch eine etwas zu hohe Dynamik. Da muss ich wohl noch mal ran.

Die Lenkradaufnahme ist übrigens wie man sehen kann auch selber gebaut. Zum einen, weil ich den Kupplungshebel aus Platzgründen gerne auf 12 Uhr haben wollte, zum anderen aber vor allem weil man an eine Aluminiumaufnahme schlecht eine Schraube schweißen kann.

Die Kupplung war dann auch gleich das nächste was ich in Angriff genommen habe. An dem Karthebel sollte sie schon sein, nicht wie beim P-01 an dem blöden seitlichen Hebel. Der originale Kupplungszug vom Motor war allerdings etwas zu kurz. Den hätte ich quer direkt zum Lenkrad führen müssen, und dann hätte ich auch jedes mal mein rechtes Bein aufs umständlichste unter dem Kupplungszug her einfädeln müssen… ne, darauf hatte ich keinen Bock. Aber wie so oft bei diesem Kart (darauf komm ich später noch mal zurück) meinte der Zufall es gut mit mir: Bei den diversen RD-Zubehörteilen, die ich mir bei ebay für 5 EUR ersteigert hatte, befanden sich neben einem Kabelbaum, einem Gaszug und zwei Tacho/DZM-Wellen auch ein Kupplungszug, und der sah im Gegensatz zu meinem noch richtig frisch aus. Also hab ich kurzerhand eine Bowdenzugkupplung gebaut und den Zug schön rund vorne bei den Pedalen entlang hoch zur Kupplung geführt. Das Endstück vom Bowdenzug passte natürlich auch wie angegossen in den Kupplungshebel:

Die Kupplungskupplung hab ich dann noch schön in einen Kautschuk-Schlauch gepackt und mit Kabelbindern am Rahmen festgezogen. Das hält, stört nicht und man kann sich nicht dran verletzen.

Ein Drehzahlmesser sollte natürlich auch wieder ins Kart. Erstmal hab ich überlegt wie ich denn den Analogen unterbringen könnte. Im Lenkrad wie bei P-01 fiel wegen der Kupplung weg. Das wär sich im Weg gewesen. Vielleicht in meine "Mittelkonsole"? Die hab ich dann erstmal gebaut. Aus einem 1mm Blech, das war ganz einfach:

Da rein kamen dann auch gleich noch 3 Schalter: Links oben geschaltetes Plus mit Kontroll-LED, darunter Benzinpumpe hinter geschaltetem Plus, ebenfalls mit Kontroll-LED, und rechts oben der Kill-Schalter (diesmal gut isoliert weil aus Plastik :-D).
Der Drehzahlmesser hätte Theoretisch gerade noch in die Mitte gepasst, allerdings war er da zum einen sehr schlecht einsehbar und zum anderen hätte das Blech oben und unten vom DZM nurnoch einen schmalen Streifen gehabt. Keine Ahnung ob das gehalten hätte.
Deswegen hab ich mich für nen Digitalen DZM entschieden. Sieht cool aus, macht spaß zu basteln und kann u.U. auch recht praktisch sein.
Den Schaltplan hab ich nach etwas studieren und halbwegs verstehen dann skrupellos von Achim bzw. Manne kopiert. Allerdings solltens bei mir aus Platzgründen weder 20 noch 40 sondern 30 LEDs sein. Die wollte ich im oberen Drittel des Lenkrads unterbringen. Also hab ich gelötet was das Zeug hält (übrigens zum ersten mal mit Blödsinn ääh Lötzinn statt Bier) und am Ende ist das hier rausgekommen:

Sah ultrakorrekt aus, passte genau ins Lenkrad und…
…funktionierte nicht :-O

Waz war lous? Schätzungsweise ist der LM 2917 Frequenz-Spannungswandler beim Löten etwas heiß geworden (weil ohne Fassungen gelötet). Mit nem neuen und diesmal einer Fassung regte er sich auf einmal. Allerdings auch so wie er grad Lust hatte. Mal hielt er die Drehzahl, mal schlug er nur beim Gasgeben aus. Das sollte aber erstmal nicht meine Sorge sein. Für die erste Probefahrt (die etwas später noch kommt) montierte ich dann erstmal den Analogen an das Frontschild.
Ein Blick ins Cockpit gefällig?

Beim Fahren stellte sich allerdings heraus, dass das ganze recht unpraktisch war. Die Superhellen LEDs (ca. 300mCd) hatten bei schönem Wetter mit Sonnenschein nix mehr zu melden. Jedenfalls nicht mehr so, dass sie ins Auge stechen würden. Wenn man sich drauf konzentrierte - ja ok, aber sollte man sich beim Fahren vielleicht nicht besser aufs Fahren konzentrieren? Hmm…

Die Ganganzeige sollte bei mir erstmal verboten einfach aber keineswegs unpraktisch (man sehe mal von der Leuchtkraft ab) über 1 weiße und 6 blaue LEDs erfolgen, auch Superhell (im dunklen :-D). Der Deckel in dem sich der Schleifkontakt dreht wurde von mir folgendermaßen bearbeitet: Vom Neutralkontakt 30° entfernt, und ab da jeweils immer alle 60° wurde immer eine kleine Bohrung gesetzt und durch die eine kleine Schraube mit Schneidgewinde geschraubt. Damit genug "Detektierfläche" vorhanden war hab ich die Spitzen der Schrauben dann noch geköpft. Die ursprünglich vorhandene "Nut" in diesem Deckel hab ich, wie Achim auch, mit zwei Komponenten-Kleber ausgegossen.

Die Gänge werden alle detektiert, ist eine super Sache (wenn keine Sonne scheint [ok, die Anmerkungen sind langsam out :-D]).

Dann konnten auch so langsam mal die Kühlerschläuche dran. Nach einem kleinen Belastungstest, bei dem ich einen PVC-Schlauch in kochendes Wasser einlegte, entschied ich mich entgegen der Angabe "Hitzebeständig bis 60°C" für PVC. Der Schlauch wurde zwar etwas weich, aber da er bei der Fahrt nicht sehr arg belastet wird geht das in Ordnung. Mit den Schläuchen hat man Luftblasen und Wasserstand nämlich ganz prima im Auge… und das sieht manchmal anders aus als man sich das mit undurchsichtigen Schläuchen immer vorgestellt hat…
Mit dem Verlauf der Kühlschläuche musste ich mich jetzt auch wohl oder übel mit der Sitzposition beschäftigen.
Die Sitzstreben versetzen wollte ich nicht unbedingt, erstmal sollte ein anderer Weg gefunden werden. Und das ging auch: Ich hab den Sitz vorne einfach etwas angehoben und der Rest wurde irgendwie reingequetscht. Vorne kam einfach eine Holzlatte drunter die am Rahmen und Sitz angeschraubt wurde und dann hatte sich die Sache schon erledigt.

Auf dem linken Bild kann man sehen wie eng die Sache am Seitendeckel ist, auf dem rechten Bild sieht man die Holzlatte.

Jetzt wo der Sitz dran war konnten die Kühlschläuche auch zugeschnitten, verlegt und angestöpselt werden. Auch der Auspuff konnte nun an die neuen Bedingungen angepasst werden. Beim P-01 verlief der noch sehr steil nach hinten. So sollte´s diesmal nicht sein. So weit wie möglich zur Seite damit das Kart so kurz wie möglich bleibt. So stören die Auspuffe dann beim hochheben nicht.
Auspuffe auseinandergeflext und Krümmungswinkel zurechtgeschliffen, die Flanschenden an den Motor geschraubt, Auspuffe in Position gehalten, angepunktet, im Schraubstock dichtgeschweißt, fertig.
Der "Arm", auf dem die Auspuffe festgeschraubt sind, wurde dann kurzerhand der Position der Auspuffe angepasst. Er wird mit zwei Schrauben an der linken Lageraufnahme angeschraubt.

Die Auspuffe hab ich dann gleich noch mit hitzebeständigem Aluminiumspray angesprüht - gefällt mir gut.

Auf diesem Bild kann man sich noch mal den Verlauf der Auspuffe anschauen. Außerdem sieht man hier die gute alte Bremsleuchte die an keinem selbstgebauten Kart fehlen darf :-)
Die rote transparente Plastikschale der Bremsleuchte hat übrigens ein ungestümer Kumpel von mir gleich am ersten Tag angerempelt >:-O. Die hatte dann nen Knacks und bei der ersten Fahrt hat sie sich irgendwo auf der Strecke verabschiedet. Zum glück sind rote LEDs drin…

Das Kart war dann so weit fertig für die Jungfernfahrt. Die fand inoffiziell auf der Straße vor unserem Haus statt. Schon beim hinschieben war aber klar, dass ich mein großes Hobby, illegales Fahren auf öffentlichen Straßen bzw. geteerten Feldwegen, aufgeben muss ;). Das Kart lag selbst "hochgelegt" noch so tief über der Straße, dass die kleinste Bodenwelle (und davon gibt´s viele auf dem Dorf) Aufsetzer verursachte. Trotzdem hab ich den Motor angeworfen und bin 200m im ersten Gang gefahren. Das wars auch schon. Ich wollt es meinem Unterboden (bzw. dessen Schrauben) einfach nicht antun.
Hier aber erstmal ein paar Fotos vom fertigen P-03 V1.0:

Die erste offizielle Probefahrt kam dann ein paar Tage später auf dem Gelände von Dickhaut Möbel (Lager). Dort drehen die Kids vom MSC-Homberg immer ihre Runden um den Slalom-Parcours. Ich hab dann einfach gefragt ob ich mal eine Runde fahren kann und nach Begutachtung meines Gefährts haben sie mich dann auf den Platz gelassen. Angelassen - warmlaufen lassen - gasgegeben. Es ging ganz gut vorwärts, aber ich hatte es besser in Erinnerung. Aber gut, es fuhr immerhin. Was mir aber sofort auffiel war, dass das Teil Grip hatte wie die Pest. Nicht mehr dieses ewige über die Vorderräder schieben wie bei P-01, das Chassis war auch erheblich steifer.
Verbesserungswürdig war allerdings noch die Schaltung. Einige male hatte ich einen toten Gang drin… das ist eklig, vor allem wenn man den Fuß noch (oder wieder) auf dem Pedal stehen hat. Was ich dann mit der Schaltwippe gemacht habe, habe ich ja bereits beschrieben.
Nach ein paar Runden hielt mich dann allerdings der Jugendleiter an und sagte, dass ich sofort den Motor ausmachen soll. Grund: Der Vergaser tröppelte mal wieder. Mann, so ein mist, wieder einpacken. Aber ok, es war schon gut zu sehen dass die Arbeit sich gelohnt hatte. Am Vergaser musste aber was passieren…

Beim originalen Mikuni-Vergaser war also das Nadelsitzventil fertig. Mehrmaliges penibel-Saubermachen hatte allerhöchstens Erfolg für ein paar Minuten. Auch das Pinunkel am Schwimmer verbiegen, sodass das Ventil früher schließt, hatte keinen Erfolg. Zum Glück fiel mir ein, dass ich noch einen Tillotson Vergaser vom Kartmotor rumfliegen hatte. Also schnell Maß genommen und für gut befunden. Die Größe war annähernd identisch mit der des Mikuni-Vergasers, nämlich 28mm.
Da ich nur einen solchen Vergaser hatte musste ich mir eine Ansaugbrücke bauen. Das war aber nicht schwer: Zwei 90° Bögen auf je ein Flanscheisen passend zum Einlassflansch geschweißt, das dann auf den Motor geschraubt, ein stückchen Rohr dazwischen gesteckt und angepunktet, im Schraubstock fertiggeschweißt, dort einen passenden V-Ausschnitt eingeflext und ein kleines Stückchen Rohr mit einem für den Vergaser passenden Flansch zugeflext und in diesen V-Ausschnitt gesteckt. Das ganze noch zusammengebrutzelt und das wars im Prinzip schon. Fotos vom Bau hab ich leider nicht, wer bei Achims oder Mannes Ansaugbrücke nachschaut weiß aber bescheid. Die sieht fast genau wie meine aus.
Worauf man achten sollte ist, dass wenn man einen Membranvergaser verwendet, dieser mit den benötigten Druckschwankungen versorgt wird, damit er richtig arbeiten kann. Am einfachsten ist einfach, das "Löchlein" im Vergaser mit dem Ansaugtrakt zu verbinden. Bei mir genügte es schon einfach an der entsprechenden Stelle eine kleine Kerbe in die Rohrwand zu feilen.
Die Schweißnasen im Ansaugtrakt hab ich noch alle weggedremelt und alles etwas poliert.
Übrigens verwende ich für Bohrungen >16mm (mein größter Bohrer) eine ganz besondere Technik: Man markiert den Bohrkreis mit einem Zirkel o.Ä. und spannt das zu Bohrende Werkstück in den Schraubstock der Tischbohrmaschine, in die ein möglichst kleiner Bohrer (<3mm) eingespannt wird. Dann Bohrt man entlang des Kreises so dicht wie möglich (je nach Toleranzbereich nicht über den Kreis hinaus). Im Idealfall kann man nun das Mittelstück rausdrücken, falls nicht, kann man mit einem etwas größeren Bohrer die "Brücken" zwischen den kleinen Bohrungen wegbohren. Spätestens wenn man das ganze Mittelstück durchlöchert hat kann man den Rest mit der Feile erledigen. Dies sollte man am ende sowieso tun, um die Bohrung abzurunden.
Nun aber endlich Fotos von meiner Ansaugbrücke:

Nach einem Membran- und Dichtungswechsel des Vergasers lief der Motor dann auch alsbald. Kein Überlaufen von Schwimmerkammern mehr - hervorragend.

Weil die beiden Änderungen - Vergaser und Schaltwippennabe - schon erhebliche Verbesserungen darstellten, sollte es ab hier die Version 1.1 sein. "Neuer Name": P-03 V1.1 8-)

In dieser Besetzung war´s dann endlich reif für die richtige Bahn. "Motorsportarena Stefan Bellof" in Oppenrod war das nächste Ziel. Abends wurde der Toyota noch mit allerhand Werkzeug bestückt und am nächsten Morgen wurde das Kart verladen. Das passt genau in den Bus, allerdings muss immer der rechte Hinterreifen und Seitenkasten abmontiert werden.

Nun gut, in Oppenrod angekommen fragte ich artig ob das in Ordnung geht mit dem Kart, und ehe ich mich umsehen konnte stand die hälfte der Bahnbesucher (war wohl irgendein Betriebsausflug an dem Tag) um mein Kart herum und wollten es unbedingt in Aktion sehen. Allen voran der Bahnbetreiber, der mich ja beinahe schon auf die Bahn hetzte ;).

Motor gestartet, warmlaufenlassen… das kennen wir ja schon. Auf der Bahn hab ich erstmal zwei warmlaufrunden gedreht und dann etwas mehr auf die Tube gedrückt. Vor allem an der leichten Steigung hat sich der Motor allerdings immer mal wieder verschluckt und das aus dem Auspuff wieder ausgehüstelt. Vergaser war wohl noch zu fett, aber gut. Für´s erste war es ok, so brauchte ich mir wenigstens keine Gedanken um Überhitzung zu machen.
Weils so Spaß machte verschob ich mein in-die-Box-fahren immer wieder um eine Runde, und als ich dann wirklich (oder doch nicht?) in die Box fahren wollte, ging mir in der letzten Kurve auf einmal das Heck sehr sehr stark weg. Hmm… und schon sah ich einen Reifen neben mir lang hoppeln. Im gleichen Moment kam ich dann auch mit einem dumpfen Rempler zum stehen. Ich stand im Reifenstapel und mein rechtes Hinterrad war abgerissen. "Blöd" dachte ich mir. Und weil die beiden Fotos hier so gut hinpassen, kommen sie jetzt obwohl sie erst zwei Wochen später entstanden sind:

So sah die "Schicksalskurve" aus, und da wo der Steffen rechts hinzeigt war dann Endstation…

…Und so wie er hier auf dem Bild schaut hab ich mich in dem Moment gefühlt ;D.


Das Ergebnis der Aktion sah dann folgendermaßen aus:

Radstern mit abgerissenen Stehbolzen…

Felge danach (rechts sieht man die Spuren der Krafteinwirkung deutlich)
Nun gut, dann musste also eine neue Felge her. Erst habe ich überlegt, gleich einen ganzen Satz zu nehmen, doch was bringen mir 1,75 Sätze Felgen?? Nicht viel mehr als einer, also hab ich erstmal nur eine Felge und zwei neue Radsterne besorgt.
Natürlich kurz nachdem ich die Sachen bestellt hatte, sah ich einen von mir bei ebay beobachteten Artiken "Satz gebrauchte Schalterfelgen mit Reifen" der ohne ein Gebot bei 50 EUR ausgelaufen war… toll. Günstiger geht's fast nicht mehr. Aber was solls. Es hätt nicht sollen sein.

Mit dem neuen Zeugs montiert gings dann etwa 2 Wochen nach dem ersten Turn wieder nach Oppenrod. Ich wollte gerne Wettergott spielen und trotz der Vorhersage "gelegentlich Schauern" aufbrechen. So ungeduldig war ich.
Dort angekommen fisselte es auch immer mal leicht, aber kein Problem. Heute waren auch 4 andere Fahrer dort. Das gefiel mir. Gemeinsam ist´s doch gleich viel schöner. Also Kart erstmal ausgeladen und schnell ein paar Fotos gemacht.

Dann wurde die Kiste gestartet und los gings. Dank eines etwas veränderten Vergaser-Setups waren die Fehlzündungen nun schon etwas seltener. Optimal liefs aber immer noch nicht. Aber egal. Ich wollte eh erstmal etwas langsamer machen.
Die 250er 4-Takter mit 30 PS und der 125er Schalter haben mich anfangs natürlich abgezogen, in den Kurven hatte ich keinen blassen. Ich ging aber eh erstmal auf Sicherheit und machte artig Platz. Als ich dann etwas warm war dachte ich mir, dass ich es mal mit einem aufnehmen könnte. Ich ließ den noch vorbei und versuchte mich dranzuhängen. Das klappte eigentlich ganz gut. Die Ideallinie hab ich noch nicht so prickelnd gefahren und auch auf den Geraden wäre mit einer besseren Vergasereinstellung noch einiges drin. Aber gut, er zog dann leider auch Meter für Meter davon.
In den nächsten Runden schob dann das Kart immer heftiger über die Vorderräder, irgendwann konnte man nurnoch auf der Außenbahn einigermaßen die Kurve kriegen. Grund: Es regnete immer stärker, die Bahn wurde Naß und nachdem ich 3-4 mal fast einen Abflug gemacht hätte fuhr ich in die Box. Es war eh Mittagspause.

Nun waren zwei Stunden hoffen angesagt, hoffen dass es aufhört zu Regnen. Vor lauter Langeweile entstanden dann diese tollen Fotos:

Hä? Tolle Fotos? Dem Mathematiker werden natürlich sofort die Zahlen auffallen: Am 04.06.04 um 2:22 Uhr betrug der Kilometerstand 202222 km. Da ist wirklich nichts dran manipuliert. Besser wäre nurnoch gewesen, wenn die Fotos am 2. Februar vor zwei Jahren entstanden wären und der Bus noch mal um den halben Globus gefahren wäre… Nun gut, weiter im Text…
Es hörte jedenfalls nicht mehr auf zu regnen. Die hardcore Kartfahrer zogen die Regenreifen auf, der Schalterfahrer packte noch in der Mittagspause ein und wir beschlossen nach 3 Stunden warten dann auch lieber abzureisen. Schade, aber was solls. Wenigstens war alles heil geblieben.

To be continued…

Letzte Änderung: 08.11.2004